Gesundes Bauen ist mehr als ökologisches Bauen

Anke Plehn bei MDR KULTUR – mit Tipps für baubiologisch-ökologisches Bauen
Foto: A. Plehn

Einleitende Worte der Moderatorin von MDR KULTUR

zum Interview mit Anke Plehn und Ralph Herrmann, dem Eigentümer eines Umgebinde-Fachwerkhauses in Crimmitschau:

„Wer sich heute ein Haus bauen oder ein altes ausbauen möchte, hat meist den Wunsch, ökologisch zu bauen. Ganz so wie in den Energiesparverordnungen vorgeschrieben. Und ‚Energie sparen‘ – so viel haben wir gelernt – ist auf jeden Fall etwas Gutes und verschafft uns ein gutes Gewissen. Also packen wir unsere Häuser in Folie und dicke Dämmschichten, die auf Erdöl oder dem Nervengift Styrol basieren. Wir bauen aufwändige Haustechnik ein, die schneller als gedacht ersetzt werden muss. Am Ende alles Sondermüll. Ganz zu schweigen vom umweltschädlichen Herstellungsprozess. Eine echte Mogelpackung, findet die Leipziger Baubiologin Anke Plehn. Denn rein ökologisches Bauen ist unserer Gesundheit oft abträglich und widerspricht unseren natürlichen Bedürfnissen. Doch das muss nicht sein. Elvira Birgit Speer hat mit Anke Plehn Möglichkeiten ausgelotet, ökologisch UND gesund zu bauen.

Das Interview können Sie sich gern hier anhören.

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet gesund zu bauen?

Für einige Menschen heißt es, energiesparend und ökologisch zu bauen, also luftdicht, mit lückenloser maximaler Dämmstärke, hochtechnisiert, unter Verwendung regenerierbarer Energien, um niedrige Kosten während der Nutzungszeit zu erreichen und das Klima zu schützen. Sie vergleichen, rechnen, analysieren und bauen nach Erkenntnissen aus einem separierten und reduktionistischen Denken heraus.

Für andere bedeutet gesundes Bauen sich in Räumen aufzuhalten, die durchlässig (atmungsaktiv, also im Austausch mit dem ‚Außen‘ stehen), warm und sicher und ohne Schadstoffe sind. Räume, die schöne Farben und angenehme Haptik aufweisen, die aus weitestgehend naturbelassenen regionalen Materialien, wie z. B. Holz, Hanf, Lehm, Kalk, Stroh, bestehen. Menschen, die das unter gesundem Bauen verstehen, wissen, dass sich eine Holzbank anders anfühlt als eine aus Kunststoff; eine Betonwand anders als eine aus Lehm; ein Fliesenfußboden anders als einer aus Cotto. Diese Menschen gehen mit ihrem Umfeld in Beziehung, ständig, fühlen sich mit allem verbunden und nehmen ihr Umfeld aus ihrem Inneren heraus, über ihren Körper wahr. Leider verlernt der große Anteil der Menschen diese Fähigkeit bereits im frühen Kindesalter.

Gesund sein, das will jeder.

Doch was der Mensch dazu braucht, welches Umfeld menschengerecht ist, da scheiden sich die Geister. Wie kommt das?

Was ist Gesundheit eigentlich?
Die WHO definiert in ihrer Satzung Gesundheit als „einen Zustand vollständigen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit oder Gebrechen.“
Ist es das, was wir unter Gesundheit verstehen? Und reicht das?

Wie kann es sein, dass Wissenschaftler und Ärzte aller Fachrichtungen aus der ganzen Welt in einer so großen Organisation wie der WHO, Wissen und Erkenntnisse einbringen und dabei übersehen, dass der Mensch ein geistiges fühlendes Wesen ist, das untrennbar mit der irdischen wie der kosmischen Natur verbunden ist? Das zur Natur gehört?

Wie können die Gedankenkraft und der freie Wille eines jeden Menschen bei der Definition für seinen Idealzustand außer Acht gelassen werden?
Und weshalb bleibt unerwähnt, dass wir über einen Verstand verfügen, der es uns erlaubt, den Lebensraum Erde an unsere Bedürfnisse anzupassen, statt dass wir uns an die Natur anpassen müssen, wie alle anderen Lebewesen auf der Erde? Ein Verstand der es uns erlaubt, dafür Strategien zu wählen, die unsere Lebensgrundlage, die naturgegebene Bio- und Atmosphäre zu zerstören?

Fehlt die Fähigkeit zur geistigen Reflexion, dass wir nicht erkennen wollen, dass wir nur mit der Natur, mit der Erde gesund (über-)leben können?

Unterdrücken wir die uns noch gegebene Vernunft, die im Zusammenspiel von Verstand und sinnlicher sowie außersinnlicher Wahrnehmung nach natürlicher Harmonie mit der belebten und unbelebten Natur der Erde strebt?
Was verhindert, dass der Mensch individuell wie kollektiv weit über seinen Verstand hinaus Außenwelt und körpereigene Innenwelt zusammendenken und fühlen kann? – Also vernünftig ist und sich selbst als Teil der Natur anerkennt?

Warum missachten wir uns selbst?

Tief verstrickt in die von Menschen erschaffenen Geld- und Wirtschaftssysteme, tun wir derzeit in allen Lebensbereichen alles, um die Kluft zwischen Mensch und Natur zu vergrößern. Auch im Bauwesen.
Wir bauen widernatürliche, schadstoffbelastete Häuser und menschenunwürdige Städte, gestalten naturfremde Freiräume, verstehen unter Begriffen wie Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ökologie lukrative Geschäftsbereiche und glauben, dass die Digitalisierung ein Fortschritt ist, weil im Denken der Menschen Geld und Macht die Priorität haben, statt der einzelne wahrhaftige Mensch und die Natur.

Solange wir uns noch als konkurrierendes Raubtier sehen, dem die lebende und unbelebte Natur zu dienen hat, werden wir weiterhin unter Gesundheit einen Zustand verstehen, den wir haben oder nicht, der uns passiert oder nicht, zu dem uns ein Arzt oder dritter Helfer, ein Medikament oder eine Impfung verhelfen kann oder nicht, ohne dass wir dafür unseren Geist bemühen und nach den wirklichen Ursachen fragen. Ohne dass wir verstehen, dass die selbst erschaffene, von Menschen gewollte, heutige Welt unsere Identität verändert, uns krank macht, degeneriert.
Wir werden weiterhin unter Nachhaltigkeit verstehen, dass wir das Vorhandene, die Erde als menschengerechten Lebensraum schützen und erhalten können, ohne zu merken, dass es diesen schon kaum noch gibt.
Wir werden weiterhin Ökologie als eine Lehre vom Haushalten verstehen, bei der der Mensch meint zu wissen, was gut für die Natur ist, ohne eine lebendige wertschätzende Beziehung mit ihr leben zu wollen, ohne die Natur zu fragen, ohne Mensch und Natur im komplexen Wirkungsgefüge von irdischer und kosmischer Natur zu verstehen und ohne sich selbst als Teil der Natur zu fühlen.

Und wir werden weiterhin Menschen begegnen, die glauben, gesund zu wohnen oder gesund zu bauen und bei denen sich nach dem Einzug oder einer Renovierung Symptome zeigen, sie krank werden.
Das hat viele Gründe: u. a.

weil es in Deutschland

  • keine Volldeklarationspflicht für Baustoffe gibt,
  • vieles unbekannt ist oder nicht benannt wird,
  • Bauwillige profit- statt wirkungsorientiert beraten werden,

weil geglaubt wird,

  • dass gesundes Bauen teuer ist,
  • dichte hochgedämmte Häuser das Klima schützen und
  • wir uns nicht vorstellen wollen können, dass die Industrie andere Interessen verfolgt, als ehrlich für die Gesundheit von Körper, Geist und Seele der Menschen zu sorgen.

Die Mehrheit der Menschen kommt gar nicht auf die Idee, dass wirklich gesundes Bauen möglich ist und dass jeder dies selbst bewirken kann!

Der weit verbreiteten Meinung, dass der Einzelne ‚an den Umständen nichts ändern kann‘, liegen falsche Vorstellungen darüber zu Grunde, wer wir Menschen sind, was wir können und brauchen, was gut und was schlecht für uns ist, was uns nützt und was vor allem mittel- und langfristig völlig inakzeptabel ist.

Gerade beim Hausbau wird das Kriterium der Nützlichkeit für die Vitalität des Menschen und für die Regeneration der Natur dem Diktat des Geldes und Eigentums unterstellt. Ob der Bauplatz oder das vielleicht schon vorhandene Gebäude, die Baustoffe, die Baukonstruktion, die Technologie, der ganze Planungs- und Bauprozess sowohl kurz- als auch langfristig Mensch und Natur dienen oder – wie weit verbreitet – eben nicht, bestimmt der auf unendliches Wachstum fixierte Verstand der Bauwilligen und der am Bau Beteiligten.
Letztlich entscheidet meist die Angst vor Verlust oder Versagen über das Bauergebnis, die größer ist als die vor einer gebäude- oder umweltbedingten Krankheit, obwohl lt. Gesundheitsbericht der WHO bereits 2013 „nichtübertragbare Krankheiten mit ca. 80% den Löwenanteil an den Todesursachen ausmachen“.

Wenn wir über Nützlichkeit oder Schädlichkeit dieser oder jener Innen-, Stadt- oder Freiräume sprechen, so meinen wir damit bisher landläufig stets ihre Nützlichkeit oder Schädlichkeit für den Menschen und nur für ihn. Wir vergessen, wer wir sind und wozu.
Wir leben nicht hier, um uns auf Kosten anderer Menschen und der belebten und unbelebten Natur bequem und komfortabel einzurichten. Wir sind hier, um aus einer bewusst gelebten inneren Verbundenheit mit allem heraus uns ein Zuhause – mit statt nur in der Natur – zu erschaffen. Und wir leben hier, um an Körper, Geist und Seele zu wachsen, gesund zu sein, die Natur zu beobachten und ihr zu geben, was sie braucht, damit wir ihre Fülle empfangen können, die genau für uns vorgesehen ist. 

Fazit:
Findet eine lebensbejahende Veränderung in uns, in unserem Kopf statt, ändert sich die Welt um uns.
Fühlen wir uns mit allem verbunden, anerkennen wir uns, den homo sapiens sapiens, als kreativen Schöpfer, werden wir plötzlich gar nicht anders wollen, als wirklich und wirksam ökologisch, baubiologisch und damit gesund zu bauen – und das selbstbestimmt.

Welches Umfeld braucht der Mensch, um gesund zu sein?

Immer wenn ich in meinen Seminaren die Teilnehmer nach ihrem Kraftort befragte, wurden Orte in der Natur genannt: ein bestimmter Baum, das Meer, die Berge, ein Teich im Wald in der Nähe der Wohnung, ein besonderer Park, eine Bank mit Ausblick auf die Sächsische Schweiz oder unter der Dorflinde.
Nur ein Teilnehmer fiel in all den Jahren aus dem Rahmen: Er benannte die Lehmofenbank in der Wohnstube seines Fachwerkhauses als den Ort, an dem er sich ausruht und alles Erlebte Revue passieren lässt, den Kopf frei bekommt für Neues, wo er sich geborgen fühlt und Energie tankt, um kraftvoll zu neuen Erkundungen, zu neuer Tätigkeit zu starten. Dieser Ort war ihm heilig. An ihn erinnerte er sich, egal wohin er ausflog und was passierte, diese Erinnerung nährte ihn.

Ist es nicht das, was wir brauchen, was uns gesund hält? Ein Ort, den wir selbst erwählt und gestaltet haben? Jeder Mensch kann nur selbst fühlen und intuitiv wissen, was für ihn gut ist und wo. Mit weitestgehend naturbelassenen Baustoffen und einer optimalen ganzheitlichen Bauvorbereitung für baubiologisch-ökologisches Bauen legen Sie den Grundstein für ein Wohn- und Arbeitsumfeld, in dem Sie gesund bleiben, sich wohlfühlen, das integrativ ökologischen Anforderungen entspricht, also mit der Natur geplant und gebaut ist und das auch bezahlbar ist.

Fehlt das Fachwissen, ist unklar, wie die Details aussehen sollen, was genau zu tun ist und wie Sie sich am besten auf Ihr Bauvorhaben vorbereiten können, rufen Sie mich unter 0341-5658976 an oder schreiben mir eine E-Mail mit Ihrem Anliegen. Auch, wenn Sie ein Gesamtkonzept für gesundes Wohnen und Bauen mit der Natur erstellen wollen und Hilfe brauchen.

Sollten Sie sich bereits jetzt über die baubiologischen Grundsätze meiner Philosophie informieren und erfahren wollen, was aus Sicht der Baubiologie beim Hausbau und Einrichten und Gestalten von Räumen Sie für Ihre Gesundheit tun können, empfehle ich, die vom Institut für Baubiologie und Nachhaltigkeit in Rosenheim (IBN) erarbeitete 25 Leitlinien zu lesen.    

Ich freu mich über Ihr Interesse und über einen Kommentar zu dem hier gehörten Interview und dem Beitrag.
Herzliche Grüße
Anke Plehn

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„Wir sind, was wir denken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.“ – Buddha

Aktuelle Informationen und Veranstaltungen
Gemäß den vorgegebenen Corona-Maßnahmen finden derzeit keine Seminare und Workshops statt. Einzelberatungen und Objektbesichtigungen können weiterhin gebucht werden. Beratungen biete ich auch online über Skype oder Zoom an.

Geplant sind folgende Vorträge auf Messen:

  • Baumesse Chemnitz, 4. bis 6. Februar 2022 „Gesundes Bauen beginnt im Kopf – Die optimale Vorbereitung für Ihr Wohlfühl-Zuhause“ am 5.2.2022
  • Haus-Messe Dresden, 3. Bis 6.3.2022
  • Denkmalmesse Leipzig 24.-26.11.2022

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